Samstag, 20. Juni 2015 (Memmingen)19. Oberschwabentag

 

Um 10 Uhr wurde der 19. Oberschwabentag, der nach 1997 zum zweiten Mal in Memmingen stattfand, durch die Begrüßungsrede des Vorsitzenden der Gesellschaft Oberschwaben, Prof. Dr. Thomas Zotz, eröffnet. Danach hieß Dr. Ivo Holzinger, der langjährige Oberbürgermeister der Stadt Memmingen, die zahlreichen Besucher im Kleinen Saal der Stadthalle Willkommen.

Thomas Zotz

Im Anschluss daran referierte Frau Dr. Eniko Zsellér über die Memminger Mal- und Bildhauerwerkstatt Strigel und deren Bezüge zu Oberschwaben. Zsellér, die seit 2009 am Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München arbeitet, stütze sich in ihrem Vortrag auf Ergebnisse in ihrer Dissertation, die sich u.a. mit den Anfängen der Malerfamilie Striegel auseinandersetzt. In ihrem Vortrag ging Zsellér u.a. auf das Leben und Werk der ersten Generationen der Striegl-Familie ein. Neben Hans d. Ä., stellte sie den Zuhörern auch dessen beiden Söhne Hans d. J. und Ivo sowie Bernhard Striegel (Enkel von Hans d. Ä.) vor. Während sich das Werk von Hans d. Ä. noch als sehr traditionell und wenig zukunftsweisend charakterisieren lässt, so Zsellér, sind die Arbeiten von Hans d. J. und Ivo Strigel einerseits traditionell und somit am Werk des Vaters orientiert, andererseits jedoch auch innovativ, da sich darin Anklänge an die zeitgenössische niederländische Malerei widerspiegeln. Ganz anders dagegen das Werk von Bernhard Strigel. Er entfernt sich mit seinem eigenen Stil weit von dem seiner Vorfahren und steht damit an der Schwelle von der Spätgotik zur Renaissance.

Bayer Zsellér und Bayer

Um 11.30 Uhr folgte der Vortrag „Die Confessio Tetrapolitana von 1530. Das evangelische Glaubensbekenntnis der oberdeutschen Reichsstädte Memmingen, Lindau, Konstanz und Straßburg“. Referent war Dr. Hans-Wolfgang Bayer, seit 1994 Kulturamtsleiter der Stadt Memmingen und Organisator des diesjährigen Oberschwabentages. Er erläuterte den Zuhörern die Bedeutung des Vierstädtebekenntnisses, das, laut Bayer, einen oberschwäbischen Versuch darstellte, den durch die Reformation aufgeworfenen Glaubenskonflikt versöhnlich zu lösen. Die Confessio Tetrapolitana, die auf dem Augsburger Reichstag von 1530 zustande kam und ein Gegenentwurf zur zeitgleich konstituierten Confessio Augustana darstellte, wurde, so Bayer in seinen weiteren Ausführungen, weit weniger von der Nachwelt gewürdigt als letztgenannte, da sie historisch nie wirksam werden konnte. Im weiteren Verlauf seines Vortrages erörterte Bayer die Hintergründe, die zur Verabschiedung des Vierstädtebekenntnisses führten und ging dabei dezidiert auf die unterschiedlichen Glaubensaufassungen innerhalb der reformatorischen Strömungen ein.

Nach der Mittagspause wurden zwei parallele Stadtführungen angeboten. Während die erste Führung den Teilnehmern die jüdische Geschichte Memmingens näher brachte, informierte die zweite über die Reichsstadt Memmingen zur Zeit des Bauernkrieges. 

Holzinger Empfang Memmingen

Ab 16 Uhr versammelten sich die Besucher des Oberschwabentages im Rathaus, in der die Stadt Memmingen zu einem Empfang einlud. 

Daran schloss sich Verleihung des Preises der Gesellschaft Oberschwaben für Heimatgeschichte an. Diesjähriger Preisträger war Dr. Lutz Dietrich Herbst aus Ummendorf (Kreis Biberach). Herbst wurde für seine Erforschung der Geschichte der oberschwäbischen Mühlen- und Weiherlandschaft sowie für seine Bemühungen um den Erhalt und die Vermittlung von deren landschaftlichen und baulichen Zeugnissen und Spuren geehrt Gruppenfoto Empfang Memmingen

Die Laudatio hielt Prof. Dr. Werner Konold, Inhaber des Lehrstuhls für Landespflege an der Universität Freiburg. Die Preisurkunde überreichte der Vorsitzende der Gesellschaft Oberschwaben, Prof. Dr. Thomas Zotz. Mit der Vergabe des Preises für Heimatgeschichte fördert die Gesellschaft Oberschwaben die Tätigkeit von Regionalhistorikern, die ohne fachlich-akademischen Hintergrund wichtige Beiträge zur Erforschung oder Vermittlung der Geschichte Oberschwabens leisten

Preisübergabe Memmingen
Konold Guppenfoto Preisträger Memmingen

Kreuzherrensaal

Der diesjährige Oberschwabentag endete mit einen Konzert im Kreuzherrensaal des ehemaligen Heilig-Geist-Spitals.


Weiterführende Informationen:
zur Veranstaltung: schwaebische.de (23.06.2015)