Zum Abschluss des Gedenkjahres: Drei Vorträge zu Persönlichkeiten und Verlauf der Reformation in Oberschwaben

Die Gesellschaft Oberschwaben für Geschichte und Kultur und das Kreiskulturforum Sigmaringen beschließen das Reformationsgedenkjahr 2017 mit drei Vorträgen am 28. November sowie 4. und 11. Dezember in Pfullendorf und Meßkirch zu den vor Martin Luther im oberschwäbischen Reformationsgeschehen wichtigen „anderen Reformatoren“, zu Graf Gottfried Werner von Zimmern als dem „Mäzen“ des Meisters von Meßkirch“ und wichtigen Vertreter des altgläubig bleibenden Adels in der Region und schließlich zum Verlauf der evangelischen Bewegung mit dem Bauernkrieg von 1525 und in den oberschwäbischen Reichsstädten.

 

Mit Theateraufführungen, Kleinkunstveranstaltungen und Vorträgen stand Martin Luther auch in Oberschwaben im Mittelpunkt des Reformationsgedenkens im zu Ende gehenden Erinnerungsjahr 2018. In der historischen Realität der reformatorischen Bewegung vor 500 Jahren zwischen Schwäbischer Alb und Bodensee spielte der Wittenberger Reformator zumindest bis 1530 indessen eine eher nachgeordnete Rolle und waren Theologen aus dem oberdeutsch-schweizerischen Raum mit ihrer stärkeren Betonung des Gemeindeprinzips und einer auch gesellschaftlichen Neugestaltung nach den Maßstäben des Evangeliums die ungleich wichtigeren Impulsgeber insbesondere für die Revolution des Gemeinen Mannes im Frühjahr 1525 wie auch für die Einführung der Reformation in verschiedenen Reichsstädten Oberschwabens. Der evangelische Theologe und langjährige Professor für Dogmatik und Religionstheorie an der Universität Erlangen Dr. Walter Sparn wird vor diesem Hintergrund am Dienstag, 28. November 2017, 19.30 Uhr, in der Stadtbücherei Pfullendorf einen bebilderten Vortrag über „die anderen Reformatoren“ in Gestalt von Christoph Schappeler (St. Gallen, Memmingen), Ulrich Zwingli (Zürich), Ambrosius Blarer (Konstanz) und Martin Bucer (Straßburg) halten.

 

Der oberschwäbische Adel verblieb in der Zeit der Reformation nahezu durchgehend beim alten Glauben und stellte sich zusammen mit dem Erzhaus Österreich der evangelischen Bewegung seiner bäuerlichen und städtischen Untertanen mit seiner Politik und erforderlichenfalls auch mit Gewalt entgegen. Einer der markantesten Vertreter des altgläubigen Adels ist Graf Gottfried Werner von Zimmern. Vor dem Aufstand seiner bäuerlichen Untertanen wie auch der Bürger seiner Residenzstadt Meßkirch im Frühjahr 1525 flieht er auf seine Donautal-Festung Wildenstein, die Niederlage des Gemeinen Mannes nutzt er, um den rebellischen Meßkirchern einen Unterwerfungsvertrag aufzuzwingen. Den 1526 in Angriff genommenen Neubau der Meßkircher Pfarrkirche St. Martin stattet er mit einer repräsentativen Grablege für sein Geschlecht unter dem Chor aus und lässt das Gotteshaus vom Meister von Meßkirch einem großartigen, dezidiert altgläubigen Bildprogramm auf einem Haupt- und acht bis zehn Nebenaltären ausgestalten. Der Sigmaringer Kreisarchivar Dr. Edwin Ernst Weber würdigt den „Mäzen“ des Meisters von Meßkirch als schillernden Vertreter der oberschwäbischen Adelswelt in der Zeit von Reformation, Bauernkrieg und katholischer Reform in einem bebilderten Vortrag am Montag, 4. Dezember 2017, 19.30 Uhr, im Unteren Turmzimmer von Schloss Meßkirch.

 

Oberschwaben galt immer als „erzkatholisch“. Das hätte sich anders entwickeln können, wenn die Bauern 1525 gesiegt hätten. Die vielen kleinen adligen und geistlichen Herrschaften verblieben schon um ihrer Existenz und der für sie überlebenswichtigen Anlehnung an das Haus Habsburg willen bei der katholischen Religion. Reformation in Oberschwaben konnte deshalb nur ein städtisches Phänomen sein. Von den 15 Reichsstädten wandten sich sieben der Reformation zu, fünf blieben katholisch, und drei ermöglichten mit der Parität beiden Konfessionen ein Miteinander in der gleichen Stadt. Die Reformation in den oberschwäbischen Reichsstädten orientierte sich zunächst eher am Schweizer Reformator Zwingli, bis sie sich aus politischen Gründen der lutherischen Richtung anschloss. Der bebilderte Vortrag von Dr. Elmar L. Kuhn, des langjährigen Geschäftsführers und Vorsitzenden der Gesellschaft Oberschwaben, am Montag, 11. Dezember 2017, 19.30 Uhr, im Unteren Turmzimmer von Schloss Meßkirch behandelt die unterschiedlichen Reformationsverläufe und fragt nach den Gründen für Unterschiede und Gemeinsamkeiten.