Eine Landschaft entdeckt ihre Lebenskraft neu

Eine Landschaft entdeckt ihre Lebenskraft neu. Die Gesellschaft Oberschwaben für Geschichte und Kultur, 1996 gegründet, präsentiert Oberschwaben als Kulturlandschaft mit erhaltenswerten Traditionen und als politische Landschaft kräftigen Eigenbewusstseins. Die Kulturlandschaft Oberschwaben mit ihren vielen mittelalterlichen Städten, den Burgen und Schlössern, den barocken Kirchen und Klöstern, den behäbigen Dörfern und verstreuten Höfen ist der ästhetische Abdruck der Geschichte, die geprägt wurde durch die Kleinheit der politischen Räume und eine gewisse Gleichwertigkeit der Stände Adel, Geistliche, Bürger und Bauern. Geschützt durch Kaiser und Reich, entwickelte sich aus Zusammenarbeit und Konkurrenz adeliger und geistlicher Herrschaften, kleiner städtischer und bäuerlicher Republiken ein an Formen reiches wirtschaftliches, politisches und kulturelles Leben.

"Heimat kann auch weh tun" Maria Beig

Die Bürger gewannen im Mittelalter als Handwerker und Kaufleute eine Führungsstellung in der europäischen Wirtschaft und in der Kunst. Die Bauern erprobten in der Reformationszeit praktisch und theoretisch das Modell eines republikanischen Deutschlands und schufen trotz Niederlage im Bauernkrieg von 1525 dauerhafte parlamentsähnliche Formen politischer Repräsentation. Die Äbte machten aus der Region eine der dichtesten Barocklandschaften des katholischen Europas.

Der Adel sicherte durch Verbindungen zum Wiener Kaiserhof die politische Autonomie gegenüber Begehrlichkeiten benachbarter Fürsten.
Wachsamkeit gegen Machtpolitik hat sich so in der oberschwäbischen Geschichte eingeprägt.
Napoleon machte der politischen Kleinräumigkeit und der kulturellen Vielfalt ein Ende. Oberschwaben, der Raum zwischen Lech und Schwarzwald, Schwäbischer Alb und Bodensee, wurde zwischen Württemberg, Bayern, Baden und Hohenzollern aufgeteilt und rückte damit, wie nie zuvor in seiner Geschichte, politisch, kulturell und wirtschaftlich an die Peripherie.
Was aus der Perspektive des bürokratischen Staates und einer industriekapitalistischen Wirtschaft im 19. Jahrhundert als provinziell erschien, erweist sich heute als glückhafte Rückständigkeit. Mit seinen alten republikanischen Traditionen, Bürger zur Kritik am öffentlichen Leben zu ermuntern und sie an Problemlösungen zu beteiligen, bietet Oberschwaben historische Modelle, die für eine moderne Gesellschaft in Deutschland und der Europäischen Union nutzbar gemacht werden können.