Nachruf auf Prof. Dr. Peter Blickle († 20. Februar 2017)

 

Prof. Dr. Peter Blickle (1938-2017)

Die Gesellschaft Oberschwaben für Geschichte und Kultur trauert um ihren Gründungs- und Ehrenvorsitzenden Prof. Dr. Peter Blickle, der am 20. Februar 2017 im Alter von 78 Jahren in Saarbrücken verstorben ist. Für die Gesellschaft Oberschwaben haben der Vorsitzende Prof. Dr. Thomas Zotz, Geschäftsführer Dr. Edwin Ernst Weber und der ehemalige Geschäftsführer und Vorsitzende Dr. h.c. Elmar L. Kuhn an der Trauerfeier und der Beerdigung

am 3. März 2017 in Saarbrücken teilgenommen. Beigefügt der bei der Trauerfeier gehaltene Nachruf von Herrn Zotz auf Herrn Blickle.

Nachruf von Prof. Dr. Thomas Zotz

 

 

 

Worte von Thomas Zotz im Trauergottesdienst für Peter Blickle am 3. März 2017

 

In Trauer und Schmerz nimmt die Gesellschaft Oberschwaben für Geschichte und Kultur, als deren Vorsitzender ich das Wort ergreife, Abschied von Peter Blickle, einem ihrer Gründungsväter, ihrem langjährigem Vorsitzenden und Ehrenvorsitzenden. Blickles Kindheit und Jugend in Leutkirch, seine Dissertation über „Die herrschaftsbildenden Kräfte im Gebiet des heutigen Landkreises Memmingen“ und seine Habilitationsschrift zum Thema „Landschaften im Alten Reich. Die staatliche Funktion des gemeinen Mannes in Oberdeutschland“ gaben ihm die Impulse, sich mit Herz und Verstand den geschichtlichen Kräften jener historischen Landschaft zwischen Donau und Bodensee, Schwäbischer Alb und Lech zuzuwenden, die als Suevia superior, als Oberschwaben das Alte Reich prägte und auch später unter den neuen politisch-administrativen Bedingungen fortwirkte.

 

So war es ein Glücksfall, dass sich in den frühen 1990er Jahren Peter Blickle von Bern aus mit Guntram Blaser, Elmar L. Kuhn und Siegfried Weishaupt zur Gründung der Gesellschaft Oberschwaben, die dann 1996 das Licht der Welt erblickte, zusammentaten, damit im Verbund von Wissenschaft, Politik, Kultur und Wirtschaft das länderübergreifende oberschwäbische Regionalbewusstsein gestärkt und gepflegt würde. Nach Blickles Vorstellung sollte hierfür ein, wie er in Anlehnung an Rousseau formulierte, „contrat culturell“ zwischen Wissenschaft und Wirtschaft gebildet werden. Als erster Vorsitzender der Gesellschaft von 1996 bis 2002 brachte er eine Fülle von Ideen und Initiativen in das Programm der Gesellschaft ein, die dank ihres soliden finanziellen Fundaments vieles in Form von Tagungen, Vorträgen, Ausstellungen und anderen Aktivitäten umsetzen konnte. Im Magazin der Gesellschaft Oberschwaben 2016, das aus Anlass von deren zwanzigjährigem Bestehen einen breiten und schönen Rückblick gibt, wird uns das von Peter Blickle 1996 entworfene Programm für Oberschwaben unter den Stichworten „Historische Forschung, Popularisierung und zeitgenössische Kultur“ noch einmal eindrucksvoll vor Augen geführt. Thematisch war für Blickle das Gesamtpanorama der politischen Kultur dieser Landschaft reizvoll, der „Hauch von republikanischem Geist, der durch sechshundert Jahre oberschwäbischer Geschichte streicht,“ konkretisiert in den ländlichen Gemeinden und ihren Vertretern und nicht zuletzt in den zwölf Artikeln der oberschwäbischen Bauern 1525 und in der Revolution des gemeinen Mannes, wie er den Bauernkrieg bezeichnete. Noch unter dem Vorsitz Blickles bereitete die Gesellschaft Oberschwaben eines ihrer Leuchtturmprojekte vor, mit denen sie auf besondere Weise in die breitere Öffentlichkeit hineinstrahlte. Damals wurde eine ganz andere Facette der Geschichte von Oberschwaben und darüber hinaus auf großartige Weise thematisiert mit der Ausstellung „Alte Klöster – neue Herren. Die Säkularisation im deutschen Südwesten 1803“ im Jahre 2003 in Schussenried.

 

Zu den alten Herren als Gegenpart der oberschwäbischen Bauern zählte Georg III., Truchsess von Waldburg-Zeil, der sich mit seinem gewaltsamen Vorgehen gegen die aufständischen Bauern als „Bauernjörg“ einen wenig schmeichelhaften Namen machte. Diesem Feldherrn im Bauernkrieg widmete Peter Blickle eine umfassende Biographie, die 2015 erschien und in einer von der Gesellschaft Oberschwaben organisierten Veranstaltung in Leutkirch, Blickles Heimatort, vor zahlreichem Publikum, das nicht nur am Buch, sondern auch an seinem Autor besonderes Interesse hatte, vorgestellt wurde. Wir alle hatten damals Gelegenheit, noch einmal den faszinierenden Historiker und Organisator zu erleben, wie er im Gespräch mit Elmar Kuhn die für ihn wesentlichen Facetten im Leben und Wirken des Bauernjörg auf dem Hintergrund der politischen Kultur Oberschwabens zu Beginn der frühen Neuzeit herausarbeitete.

 

Nun haben wir den Verlust von Peter Blickle zu beklagen, der sich um die von ihm mit aus der Taufe gehobene Gesellschaft Oberschwaben höchste Verdienste erworben hat. Für alles, was er für unsere Gesellschaft als Umsetzung seiner Idee vom „contrat culturell“ geleistet hat, schulden wir ihm großen Dank und die Verpflichtung, sein Erbe zu pflegen und weiterzuführen. Die Gesellschaft Oberschwaben wird das Andenken Peter Blickles in hohen Ehren halten.

 

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