Auf eine große Resonanz stieß am 26. April 2018 die
Einladung der Gesellschaft Oberschwaben für Geschichte und Kultur sowie des Biberacher Landrats Dr. Heiko Schmid zu einem Vortrag des Ulmer Altoberbürgermeisters und gebürtigen Laupheimers Ivo Gönner im Kulturhaus Schloss Großlaupheim in der Reihe „Reden von Oberschwaben“. Thema des ebenso informativen wie unterhaltsamen Vortrags war die wechselvolle, zwischen Kooperation und Abgrenzung schwankende Beziehungsgeschichte von Ulm und Oberschwaben.


 

Der Vorsitzende der Gesellschaft Oberschwaben, Prof. Dr. Thomas Zotz, würdigte in seiner Begrüßung die fruchtbare Zusammenarbeit mit der Stadt Ulm in der Erforschung und Vermittlung der gemeinsamen Geschichte und hob insbesondere die gute Kooperation mit dem Ulmer Stadtarchiv bei der gemeinsamen Herausgabe der Zeitschrift „Ulm und Oberschwaben“ seit 2007 hervor. Thomas Zotz danke dem Zweckverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke OEW und der Energie Baden-Württemberg (EnBW) für die Förderung von „Reden von Oberschwaben“, die seit 2008 mit jährlich zwei Vorträgen zu wichtigen Fragen des öffentlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens zu einer festen Größe in Oberschwaben geworden seien. Landrat Dr. Heiko Schmid, der Ivo Gönner aus der gemeinsamen Tätigkeit im Präsidium des Städtetags kennt und schätzt, verwies auf das nicht immer reibungsfreie Verhältnis zwischen der kleinen Großstadt Ulm und dem benachbarten ländlichen Oberschwaben, die beide gleichwohl ökonomisch wie politisch auf ein gutes Miteinander angewiesen seien und davon profitierten.

 

"Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburger Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt." So zitierte Ivo Gönner einen alten Reim, der die Bedeutung der großen Städte im Alten Reich veranschaulicht. Eine weitere historische Charakterisierung von 1788 galt den oberschwäbischen Reichsstädten, wobei unter den aufgeführten angeblichen Stärken und auch Schwächen der einzelnen Orte die Ulmer Würdigung – „was guts an Ulmern ist, das weiß das ganze Land“ – hervorsticht.

 

Ivo Gönner wurde 1952 in Laupheim geboren. Als gebürtiger Oberschwabe aus dem weiteren Einzugsgebiet Ulms und zugleich langjähriger Ulmer Oberbürgermeister von 1992 bis 2016 konnte er aus eigener profunder Erfahrung wie kein anderer über das besondere Verhältnis von Ulm und Oberschwaben berichten. Die komplexen und nicht immer spannungsfreien Beziehungen zwischen Stadt und Region gehen schon auf das Mittelalter zurück, wie Ivo Gönner ausführte. Sein ebenso sachkundiger wie humorvoller Vortrag zeigte sowohl die zahlreichen Konflikte zwischen Ulm und Oberschwaben namentlich in der Zeit von Reformation und Konfessionalisierung wie auch die gegenseitigen, vor allem wirtschaftlichen Abhängigkeiten.

 

Das ländliche Oberschwaben war auf Ulm als Zentrum von Handel und Gewerbe, ja als Tor zur Welt angewiesen, während Ulm wiederum die oberschwäbische Region als Absatzmarkt für seine gewerblichen und kulturellen Erzeugnisse sowie als Reservoir von Arbeitskräften benötigte. Die Quellen zeigten, dass Oberschwaben, die Ihre Heimat verlassen wollten, dies über Ulm taten – bot die Stadt Ihnen doch einen Zugang zu einem europaweiten Verkehrsnetz, da die Handelsmetropole enge Verbindungen zu anderen Städten bis nach Italien, Norddeutschland und in den Balkan pflegte. Während in Ulm hochspezialisiertes Handwerk und fähige Künstler zu finden waren, diente Oberschwaben gleichsam als Auftraggeber für Handwerk und Gewerbe der Stadt, wie auch als Lieferant von Rohstoffen und Menschen. Durch die Jahrhunderte wechseln sich Phasen der engen Kooperation und Abgrenzung Oberschwabens gegenüber dem größeren Partner und Konkurrenten Ulm ab. Für die zurückliegenden Jahrzehnte und die Gegenwart konstatiert Ivo Gönner eine zunehmend enge und fruchtbare Zusammenarbeit beider Partner insbesondere im Verkehrswesen und in der vernetzten Hochschulausbildung. Gemeinsam habe man eine gute Zukunft.

 

Bei einem Empfang, zu dem die Gesellschaft Oberschwaben zum Abschluss der Veranstaltung einlud, nutzten viele der rund 170 Besucher die Gelegenheit, um den anregenden Vortrag mit dem Referenten und untereinander zu diskutieren.

 

 

Abbildung:

Ivo Gönner (Mitte) zusammen mit dem Biberacher Landrat Dr. Heiko Schmid (2. v. re.), dem Vorsitzenden der Gesellschaft Oberschwaben Prof. Dr. Thomas Zotz (rechts), dem Laupheimer Oberbürgermeister Gerold Rechle (2. v. li.) und dem Ehrenpräsidenten des Kuratoriums der Gesellschaft Oberschwaben Siegfried Weishaupt (Foto: Michael Wild)

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