23. Oberschwabentag

(11. Mai, Bad Saulgau)

Trotz mäßiger Wetterlage und parallel stattfindendem Frühlings-Flohmarkt in der Innenstadt fanden sich am Samstag, den 11. Mai 2019, im Stadtforum Bad Saulgau mehr als 100 Mitglieder und Interessierte ein, um gemeinsam mit der Gesellschaft Oberschwaben für Geschichte und Kultur und der Stadt Bad Saulgau den 23. Oberschwabentag zu begehen.

 

Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden der Gesellschaft Oberschwaben, Prof. Dr. Thomas Zotz, und den Ersten Beigeordneten der Stadt Bad Saulgau, Richard Striegel, folgte der erste Vortrag von Prof. Dr. Thomas Zotz zur Saulgauer Stadtgeschichte von der urkundlichen Erstnennung von ‚Sulugon‘ 819 bis zur Stadtwerdung im 13. Jahrhundert. Dabei illustrierte Prof. Zotz auch die Hintergründe der in einer Reichenauer Fälschung aus dem Hochmittelalter vorliegenden Buchauer Urkunde Kaiser Ludwigs des Frommen von 819, in welcher sich die erste schriftliche Erwähnung der dörflichen Vorgängersiedlung Saulgaus findet. Weiter ging der Vortrag auf die Entwicklung der wachsenden Siedlung ein und erläuterte wichtige Stationen auf dem Weg zur Stadtwerdung mit Erteilung des Stadtrechtes 1239 sowie der Befestigung und Erteilung des Rechts von Lindau 1288. Besonders hob Prof. Zotz den durchgehend großen Einfluss der Äbtissinnen des Klosters bzw. Damenstifts Buchau hervor, dem Kaiser Ludwig die Siedlung ‚Sulugon‘ im 9. Jahrhundert vermacht hatte. Daneben zeichnete er aber auch den Einfluss der Vögte nach, wodurch Saulgau im Verlauf der Geschichte wechselnden adligen Ortsherren und schließlich für ein halbes Jahrtausend dem Erzhaus Österreich zufiel.

Anschließend zeichnete der Bad Saulgauer Kulturreferent Andreas Ruess in seinem mit historischen Bildzeugnissen anschaulich illustrierten Vortrag die Entwicklung und Bedeutung der 1947 gegründeten Städtischen Galerie „Fähre“ als einem der Kristallisationspunkte des regionalen Kunstgeschehens zumal in den Nachkriegsjahrzehnten nach: In der nach Ende des Zweiten Weltkrieges auf Initiative der französischen Besatzungsmacht entstandenen multifunktionalen Kultureinrichtung sollte eine Begegnungs- und Vermittlungsstätte geschaffen werden mit dem Ziel, eine Brücke zu schlagen, um die historisch gewachsene Feindschaft zwischen Deutschland und Frankreich zu überwinden und der deutschen Bevölkerung demokratische und freiheitliche Werte zu vermitteln. Da Brücken, wie der Krieg gezeigt habe, jedoch zerstörungsanfällig seien, habe man sich, angeblich auf Empfehlung von General De Gaulle auf den Namen „Fähre“ geeinigt im Sinne einer flexibleren Verbindung zweier Ufer, wie Ruess anekdotisch den Weg der Namensfindung erläuterte. Und es wurde ein voller Erfolg: Die Fähre etablierte sich dank des ebenso anspruchsvollen wie vielfältigen Programms innerhalb kurzer Zeit und bis heute als eine regional ausstrahlende Kulturadresse in den Bereichen Theater, Musik und nicht zuletzt Bildende Kunst. Ruess unterstrich das Verdienst der namhaften Beteiligten und Förderer, ohne deren Unterstützung das kulturelle Leben Bad Saulgaus, wie es bis heute seinen Platz in der Stadt hat, oder auch die Einführung des Oberschwäbischen Kunstpreises 1952 undenkbar gewesen wären.

 

Nach der Mittagspause waren die Besucher des Oberschwabentages zu Führungen durch Bad Saulgau eingeladen: Andreas Ruess stellte die aktuelle Ausstellung der Städtischen Galerie „Fähre“ zu den künstlerischen Impulsen der ehemaligen Saulgauer Lehreroberschule vor; der frühere Stadtarchivar Hermann Brendle gab eine Einführung in die Baugeschichte(n) der Pfarrkirche St. Johannes und der ehemaligen Klosterkirche St. Antonius, und der Stadtbarde Michael Skuppin bot einen musikalisch untermalten Stadtrundgang.

Nach einem Stehempfang der Stadt Bad Saulgau im Foyer des Alten Klosters fand zum Abschluss des Oberschwabentags in der Stadtbibliothek im Alten Kloster die Buchvorstellung des unlängst erschienenen Bandes „Kunst in Oberschwaben. Von den Pfahlbauten bis heute“ statt. Im Mittelpunkt des Gesprächs von Mitautor Dr. Uwe Degreif, dem Geschäftsführer der Gesellschaft Oberschwaben Dr. Edwin Ernst Weber und dem  Bad Saulgauer Kulturreferenten Andreas Ruess standen die Definition der „Kunstlandschaft Oberschwaben“ und die wesentlichen Entwicklungslinien des Kunstschaffens und der Kunstvermittlung in Oberschwaben im 20. Jahrhundert.

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