Vortrag von Stipendiatin Hanna Lehner in der Reihe „Forum Regionalität“:

„Ein Archiv des Wissens. Systematik und Funktion des Kupferstichkabinetts der Fürsten Waldburg-Wolfegg“

(17. Juli, Schloss Wolfegg)

Am Mittwoch präsentierte Hanna Lehner, examinierte Kunsthistorikerin, Kulturwissenschaftlerin und Stipendiatin der Gesellschaft Oberschwaben (Förderung von 20015-2018), in der Reihe „Forum Regionalität“ in der ihr schon zu Schulzeiten vertraut gewordenen Umgebung von Schloss Wolfegg dem interessierten Publikum einige Ergebnisse aus ihrem kunstgeschichtlichen Promotionsprojekt. Ihr Ziel war es, durch die erstmalige Erschließung des Kupferstichkabinetts des Fürsten, Truchsess Maximilian Willibald von Waldburg-Wolfegg, das Desiderat hinsichtlich der Erforschung von Struktur und Funktion von frühneuzeitlichen grafischen Sammlungen zu schließen. Dabei eröffnete sich ihr auf Schloss Wolfegg ein faszinierender „Quellenschatz“: eine ihrer Art und Größe nach einzigartige Sammlung von Druckgrafik-Klebebänden, die in ihrer Vollständigkeit und dem außergewöhnlich guten Erhaltungszustand auch für zukünftige Forschungsprojekte noch einen äußerst wertvollen Fundus darstellt.

 

Die Grafiken wurden in sogenannte Klebebände eingeleimt, teils systematisch teils willkürlich. Das Einkleben in besagte Klebebände war konservatorisch vorteilhafter für die Grafiken als die Aufbewahrung einzelner Blätter. Die so zustande kommende Buchform ermöglichte außerdem die Zusammenführung des „Bildarchivs“ mit dem „Wortarchiv“, sprich dem geschriebenen und gedruckten Wort in Büchern, beide vereint in der Bibliothek.

 

An Aufbau und Struktur der Sammlung kann Frau Lehner verschiedene Funktionen und die Bedeutung von Druckgrafiken in der Frühen Neuzeit aufzeigen, unter anderem als eigenständiges künstlerisches Medium und grafisches Kunst-Phänomen, als Alltagsobjekte mit praktischen Gebrauchswerten (z. B. die Porträt-Grafiken als „biografisches Nachschlagewerk“, oder religiöse Motive als Andachtsbilder), als sinn- und identitätsstiftende wie auch standesgemäße Repräsentationsobjekte und nicht zuletzt als „Bildarchiv des Wissens“, wobei insbesondere der enzyklopädische Charakter der Sammlung einen zentralen Zweck der Sammeltätigkeit widerspiegelt: die Bündelung von Wissen zwecks Vermittlung und damit die Erfassung des Weltzusammenhangs und dadurch das Verständnis der göttlichen Ordnung.

 

Da die Wissenschaftlerin nach Ende der Förderungsdauer beruflich stark eingebunden ist, wird es noch ein paar Monate bis zur Veröffentlichung der Dissertation dauern. Die Gesellschaft Oberschwaben begleitet Frau Lehner weiter und wünscht ihr weiterhin viel Erfolg.

 


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